Smart
Smart (Eigenschreibweise smart) ist eine 1994 gegründete Automobilmarke der Mercedes-Benz AG.
Seit 2020 gehört die Marke einem 50-50 Joint Venture zwischen Mercedes-Benz und der chinesischen Geely Automobile Group. Von 1998 bis 2018 wurden hauptsächlich Verbrennungsmotoren im zweisitzigen ForTwo verbaut, ab 2018 wurde der erste Schritt zur rein elektrischen Marke Smart EQ gemacht.
Geschichte
Idee
Die Idee eines Fahrzeugs unterhalb der VW-Polo-Klasse hat in den 1980er Jahren viele Kfz-Hersteller beschäftigt. 1981 stellte Daimler-Benz die Projektion eines Mercedes-Stadtwagens vor (NAFA, Auto Bild Heft 33/1986 und auto motor und sport Heft 7/1986), mit Vorderradantrieb und Quermotor (von Daihatsu); in diesem Entwurf kann man einen Vorboten des Smart sehen. Auch zahlreiche deutsche Hochschulen und Universitäten beschäftigten sich mit der Idee eines Kleinstwagens. Dafür zwei Beispiele:
- Das Projekt BCC (1984–1989) an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim. Einige Studenten unter der Leitung von Johann Tomforde (dem späteren Smart-Projektleiter) arbeiteten konzeptionelle Eigenschaften in das Projekt ein.
- Das Projekt Mocar (1986–1988) an der Hochschule der Bildenden Künste Kassel (Universität Kassel), wo der Automobildesigner Mouftoglou Dimitris unter der Leitung von Horst Sommerlatte eine Konzeption vorgelegte, die mit dem späteren Smart zahlreiche Gemeinsamkeiten hatte (u. a. in Form, Format und Fahrzeugphilosophie). Die Arbeitsergebnisse wurden der Industrie vorgelegt (6/1989: 9 Jahre vor der Smart Einführung) und mit großem Interesse aufgenommen.
Gründung des Unternehmens
Die konsequente Vermarktung der Idee begann Nicolas Hayek, der Gründer der Swatch-Gruppe. Seine Vision von einem Swatch-Mobil, das klein und vor allem günstig sein sollte, führte ihn zum VW-Konzern. Unter anderem sah das Konzept eine (ähnlich den Swatch-Uhren) auswechselbare Karosserie sowie eine Zusammenarbeit mit der Bahn vor, in Form einer Mitführbarkeit des Wagens für weite Reisen. Als VW aus dem Projekt ausstieg, sprang Mercedes-Benz ein. Bis Anfang 1994 existierten lediglich zwei Designstudien. Neben dem innovativen Design legte Nicolas Hayek vor allem einen großen Wert auf einen umweltfreundlichen Elektro- oder Hybridantrieb. Das Unternehmen Smart wurde 1994 von Hayek in Biel als gemeinsame Tochtergesellschaft von Daimler-Benz und der SMH SA (Sociéte Suisse de Microélectronique et d’Horlogerie) als Micro Compact Car AG gegründet. Im Zuge der Entwicklung des Fortwo (damals noch „City Coupé“ genannt) stieg Hayek aus dem Projekt aus, weil er sich an den steigenden Entwicklungskosten nicht mehr beteiligen wollte und weil sich Daimler-Benz weigerte, Techniken (etwa Elektromotoren direkt an den Rädern) für ein spritsparendes Auto einzubauen, die ja eigentlich den Sinn dieses Autos ausmachen sollten. Daimler-Benz sah damals keine Zukunft für Elektro- oder Hybridantriebe. Daraufhin verkaufte Hayek seine Anteile am 1. November 1998 an Daimler-Benz mit den Worten „Der heutige benzinbetriebene Smart ist ein Produkt aus dem Hause Daimler-Benz und hat nichts mit den Plänen des einstigen Swatch-Teams gemein.“. Im September 2002 firmierte sich die Micro Compact Car Smart GmbH in Smart GmbH um.
Umstrukturierungen
Von 1998 bis zur Umstellung der Vertriebsstruktur im März 2005 gab es in Deutschland 106 eigenständige sogenannte „Smart Center“, die gut am typischen gläsernen Smart-Turm zu erkennen waren. Das Architekturbüro Kauffmann Theilig & Partner entwickelte das Konzept der Smart-Center. Der Erlanger Architekt Ralph Küster konzipierte auf dieser Grundlage den in verschiedenen Modulgrößen variablen Systembaukörper. Mit dem Jahreswechsel 2005/2006 wurden die meisten Smart Center geschlossen. Verkauf und Service wurden danach vor allem von bestehenden Daimler-Niederlassungen in einem Shop-in-Shop-Konzept umgesetzt. Daneben gab es zahlreiche autorisierte Autohäuser, die den Smart verkauften und pflegten. Die wirtschaftliche Lage blieb aber angespannt. Aus diesem Grund wurde das Vertriebskonzept umgestellt, die Produktpalette reduziert und Neuentwicklungen gestoppt. Die Produktion des Roadster und des Forfour wurden eingestellt, der kleine Geländewagen Formore gar nicht erst eingeführt. Für die Einstellung der Produktion des Forfour musste Mercedes-Benz an Mitsubishi und an einige Zulieferer eine Entschädigung von etwa 1 Milliarde Euro bezahlen.
Die Smart GmbH wurde – nach 2 Abbauwellen in den Jahren 2005 und 2006 – aufgelöst und die verbleibenden Gewerke (Entwicklung, Vertrieb, Marketing, HR) wurden in die bestehende Daimler-Organisation vollständig integriert. Das Unternehmen konzentrierte sich nunmehr auf den Fortwo. Die zweite Modellgeneration (C 451) wurde seit dem Frühjahr 2007 als Coupé und Cabrio produziert. Die Brabus-Variante war seit Herbst des Jahres 2007 erhältlich. Der C 451 wurde im Hinblick auf seine geplante Markteinführung in Nordamerika insgesamt um knapp 20 Zentimeter verlängert, um den dortigen Crash-Normen zu entsprechen (größere „Crashboxen“ vorne und hinten). Nach einer erfolgreichen Marketingkampagne und Registrierungsphase für Kaufinteressenten im Jahr 2007 wurde der Smart ForTwo seit Februar 2008 an Kunden in den USA ausgeliefert. Die Markteinführung wurde durch besonders hohe Benzinpreise im Jahr 2008 begünstigt. In London wurden in einem Großversuch 100 Smart Fortwo mit Elektroantrieb getestet, diese basieren allerdings noch auf dem vorherigen Modell. Mercedes-Umweltchef Herbert Kohler kündigte im Juni 2008 an, dass es auch einen „E-Smart“ mit Lithium-Ionen-Akkus geben sollte.
Seit Oktober 2007 wurde der Smart fortwo micro hybrid drive produziert, in dem ein riemengetriebener Starter-Generator (rSG) als Start-Stopp-System fungiert. Der Normverbrauch verringert sich dabei um ca. 0,4 Liter pro 100 Kilometer. Die Namensgebung stieß auf Kritik, weil der Begriff einen Hybrid-Antrieb suggeriere. Von mehreren Herstellern wird allerdings aus Imagegründen versucht, den Begriff „micro hybrid“ als Bezeichnung für eine Start-Stopp-Automatik zu etablieren. Im Jahr 2009 sanken die Smart-Verkäufe weltweit um 18 Prozent auf 113.900 Einheiten – trotz Umweltprämie. Anlässlich der Überkreuz-Beteiligung von Renault und Mercedes rückte 2010 das Kleinwagensegment verstärkt in den Fokus – und damit der Smart. Außerdem wurde wegen der CO2-Politik der EU (Europäisches Programm für den Klimaschutz) die Senkung des Flottenausstoßes an CO2 zu einem wichtigen Ziel der Autoentwickler.
Der Smart ist „eigentlich das perfekte Modell für ein E-Auto, nur sind die Kosten viel zu hoch“. Der neue Smart-Zweisitzer und Smart-Viersitzer – ab 2014 in Slowenien gebaut – wurde gemeinsam mit dem Renault Twingo III entwickelt. Der Vertriebspartner von Daimler in Amerika, Smart USA, ein Unternehmen der Penske Automotive Group, kündigte für Anfang 2012 einen Fünftürer auf Basis einer Nissan-Fahrzeugarchitektur an. Im Februar 2011 gab Daimler bekannt, ab Sommer 2011 aufgrund des stark rückläufigen Interesses an Smart-Fahrzeugen in den USA den Vertrieb sowie die Management- und Marketingaktivitäten von der Penske Automotive Group auf die Mercedes-Benz USA zu übertragen.
2019 gründeten Daimler und der chinesische Autohersteller Geely, der größte Einzelaktionär von Daimler, ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) an dem beide Unternehmen zu jeweils 50 % beteiligt sind. Smart-Modelle werden seit 2022 in China gefertigt. Die Produktion in Europa wurde 2024 beendet. Der Smart gilt laut Spiegel als größter Flop in der jüngeren Unternehmensgeschichte von Daimler, da der Konzern mit dem Fahrzeug mehrere hundert Millionen Euro verloren habe.
Markenname
Der Markenname smart wird als Zusammensetzung aus swatch, mercedes und art erklärt. Alle Produktnamen werden analog zum Markennamen kleingeschrieben. Im Englischen bedeutet „smart“ so viel wie „klug“, „modisch“, „schick“ oder „pfiffig“.
Standorte und Logistik
Die Verwaltungszentrale von Smart liegt in Leinfelden-Echterdingen. Produziert wurde vor allem im französischen Hambach, nahe der saarländischen Grenze. Die Produktionsstätte wurde auch Smartville genannt. Hier wurden der Fortwo, dessen Cabrio-Variante und auch der Roadster hergestellt. Seit Dezember 2020 gehört das Werk Smartville der britischen Firma Ineos Automotive, welche dort seit 2022 ihre Geländewagen Ineos Grenadier baut. Ineos hatte mit Daimler vereinbart, den Smart EQ in dem Werk bis Frühjahr 2024 weiter zu produzieren. Das Nedcar-Werk im niederländischen Born wurde zwischen 2004 und 2006 zum Bau des Smart Forfour genutzt. Die Mitarbeiter wurden im Oktober 2006 in die DaimlerChrysler-Organisation integriert. Die Smart GmbH wurde Ende 2006 aufgelöst.
Schlüsselnummern
Einige Smart-Modelle werden beim Kraftfahrt-Bundesamt unter den Smart-eigenen Herstellerschlüsselnummern (HSN) 7009, 8773 oder 9891 geführt, andere unter den Mercedes-Benz-HSN 0999 oder 1313.
Technische Besonderheiten
Die Gangschaltung der Modelle fortwo und roadster ist bei den Pure- und Pulse-Reihen eine sechsstufige Halbautomatik (technisch: ein automatisiert bedientes Schaltgetriebe, einschließlich der Bedienung von Kupplung und Gas). Diese Lösung folgte zwei Überlegungen: Zum einen sollte der Smart (Fortwo) als moderner Kleinwagen unkompliziert gefahren werden können, zum anderen waren die beengten Platzverhältnisse (Fußraum, Mittelkonsole) ausschlaggebend. So werden Fortwo und Roadster (Forfour gegen Aufpreis) ohne Kupplungspedal sequenziell mit einem Joystick geschaltet. Bei Bedienung des Joysticks (+/−) werden lediglich Schaltimpulse ausgelöst, die mechanisch ein Aktuator im Getriebe ausführt. Herunterschalten bei hohen Drehzahlen wird mit automatischem Zwischengas unterstützt. Zugleich werden von der Steuerung automatisch, und der Fahrweise angepasst, Gas und Kupplung bedient. Abwürgen, Fehlschaltungen und Überdrehen des Motors sind nahezu unmöglich. Beim Heranrollen an eine Ampel „zieht“ der Smart die Gänge nach, das heißt, er schaltet herunter und unterstützt beim Ausrollen mit dem Bremsmoment des Motors. Im Stillstand legt die Getriebesteuerung automatisch den ersten Gang ein. Die Passion- und Brabus-Reihen verfügen serienmäßig über eine auf Wunsch vollautomatisch schaltende Gangschaltung. Für das Modell pure und pulse konnte diese gegen Aufpreis bestellt werden.
Die Bedienung der Kraftübertragung erfolgt durch manuelle Betätigung des Joystick (Softtip) oder je nach Ausstattungsumfang vollautomatisch (softtouch) adaptiv und wird der Fahrweise des Fahrers angepasst. Dabei werden die Parameter Geschwindigkeit, Drehzahl und eingelegter Gang ebenso gemessen wie Gaspedalstellung und Winkelgeschwindigkeit am Gaspedal (aber: keine Berg-Erkennung). Auch im manuellen Modus wird dann in bestimmten Fahrzuständen (zum Beispiel bei Vollgas im hohen Gang und kleiner Drehzahl) die Kupplung zum Schleifen gebracht, um Drehmoment aufzubauen. Hierdurch konnten sogenannte Pendelschaltungen (kurzes Herunterschalten zum Beschleunigen mit folgender Hochschaltung) vermieden werden, sodass der Fahreindruck insgesamt als harmonischer wahrgenommen wird. Ferner wurden ab 2003 gegen Aufpreis Schaltpaddel am Lenkrad angeboten.
Im Gegensatz zu einem klassischen (Wandler-)Automatikgetriebe fährt der Smart erst an, wenn Gas gegeben wird und nicht bereits beim Lösen der Fußbremse. Mit der Modellpflege (ESP statt Trust) verfügt der Smart Fortwo auch über eine Anfahrhilfe, diese verhindert das Zurückrollen des Wagens. Auch existiert kein Parkmodus, sodass bei vorhandener Steigung oder Gefälle keine Parksperre greift. Laut Werksangaben kann das Fahrzeug aber im Rückwärtsgang mit gezogener Handbremse sicher geparkt werden.
Das Modell Forfour besitzt serienmäßig ein normales Schaltgetriebe. Die Halbautomatik ist auf Wunsch lieferbar und besitzt eine aus (Drehmomentwandler-)Automatik-Wagen bekannte Kriechfunktion, die über eine schleifende Kupplung simuliert wird.
Die Smart-Motoren M 160 (Benzin) und OM 660 (Diesel) werden vom Ausrüster Ecofly als Flugzeugmotoren für Ultraleicht- und Leichtflugzeuge sowie für Motorsegler angeboten, u. a. für die B&F FK 9. Dafür wurde von Ecofly mit Unterstützung durch Mercedes-Benz ein kompletter Elektronik-Umrüstsatz entwickelt. Mit der Modellvariante FK9 smart der B&F FK 9 wurde bei der Firma B&F Technik Vertriebs GmbH auch erstmals ein Ultraleichtflugzeug serienmäßig mit Smart-Motoren ausgestattet.
Plagiate
Im Oktober 2006 wurde bekannt, dass das chinesische Unternehmen CMEC ein Modell namens Electric City Smart baut, das explizit für den Export nach Europa gedacht ist und – äußerlich – eine fast gleich aussehende Kopie des Smart City-Coupé Bj. 1998–2000 darstellt. DaimlerChrysler kündigte rechtliche Schritte gegen die Kopie an.
Einen weiteren Nachbau hat die chinesische Firma Shuanghuan unter dem Namen Shuanghuan Noble im Programm. Beide Modelle werden in Europa von der italienischen Martin Motors unter eigenem Markennamen produziert und angeboten.

