NIO
Nio (chinesisch 蔚来汽车, Pinyin Wèilái qìchē) ist ein chinesischer, börsennotierter Elektroautohersteller.
Das Unternehmen sitzt in Shanghai.
Als Alleinstellungsmerkmal gilt, dass Nio vollautomatische Batteriewechselstationen betreibt, mit denen die Antriebsbatterie in fünf Minuten gewechselt werden kann; davon gibt es rund 2500 weltweit (Stand Mitte 2024).
Unternehmensgeschichte
Gegründet wurde Nio von William Li, dem Vorstandsvorsitzenden der chinesischsprachigen Autozeitschrift BitAuto und von Next EV. Bereits nach der Präsentation des Projekts investierten Unternehmen wie Tencent, Temasek, Baidu, Sequoia, Lenovo und TPG.
Weil die meisten Hersteller von Oberklassefahrzeugen ihren Sitz in Süddeutschland haben, siedelte Nio sein Design- und Markenentwicklungszentrum mit etwa 70 Angestellten (Stand September 2020) für die Markenentwicklung und die Gestaltung der künftigen Produktpalette in München an. Darüber hinaus ist Nio in der FIA-Formel-E-Meisterschaft engagiert, der ersten Rennserie für Monoposti mit reinem Elektroantrieb.
Nio verkaufte 2023 rund 160.000 Fahrzeuge. Das waren rund 30 % mehr als 2022, aber 90.000 weniger als geplant. In den ersten neun Monaten des Jahres 2023 wurde ein Nettoverlust von mehr als 15 Milliarden Yuan (umgerechnet knapp 2 Milliarden Euro) verbucht, das waren umgerechnet auf die in diesem Zeitraum knapp 110.000 verkauften Autos rund 18.000 € Verlust pro Auto. Der Börsenwert fiel in drei Jahren von über 90 Milliarden Euro auf rund 10 Milliarden Euro. Im letzten Quartal 2025 erzielte Nio zum ersten Mal einen Gewinn.
Unternehmensname und Logo
Der Name von Nio in chinesischen Schriftzeichen, 蔚来 (Aussprache: „Wèilái“), bedeutet „Der Himmel wird blau“ (wortwörtlich „Blauer Himmel kommt“) und ist eine Anspielung auf die Smog-Situation in chinesischen Großstädten. Mit der Vorstellung des Nio EP9 im November 2016 wurde der Name zu „NIO“ (Großbuchstaben) umgestaltet. Das Logo stellt Erde und Horizont dar.
Im Oktober 2016 erhielt Nio die Genehmigung der kalifornischen Behörden (DMV) zum Test selbstfahrender Automobile auf öffentlichen Straßen und begann mit Probefahrten.
Im Mai 2018 eröffnete Nio die erste „Power Swap Station“ in Nanshan (Shenzhen), an der Batterien des ES8 gegen geladene ausgetauscht werden. Das Warten während des Aufladens entfällt dadurch.
Im August 2018, nach dem Verkauf von 481 Autos, dem Eingang weiterer 15.000 Kundenbestellungen und einer maximalen Produktionskapazität von circa 500.000 Fahrzeugen pro Jahr, beantragte das Unternehmen den Börsengang im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar an der New York Stock Exchange.
Anfang 2020 stand das Unternehmen kurz vor der Pleite und konnte nur durch eine chinesische staatliche Investition in Höhe von rund einer Milliarde Euro gerettet werden. Das Geld kam von der Regierung der Millionenstadt Hefei. Nio hatte sich im Gegenzug verpflichtet, Fabriken und Forschungszentren in der Stadt zu bauen.
Im Januar 2021 hatte Nio einen Börsenwert von umgerechnet 80 Milliarden Euro.
Zusammen mit der Guangzhou Automobile Industry Group wurde GAC Nio New Energy Automobile Technology betrieben, die Fahrzeuge der Marke Hycan herstellen.
Seit Juli 2021 verkauft Nio ebenfalls in Norwegen Fahrzeuge. Dort ist europaweit der Marktanteil von Elektroautos am höchsten. Es handelt sich dabei um den ersten Markt außerhalb Chinas in dem Nio vertreten ist. Ab 2022 war geplant, dass Nio-Modelle ebenfalls in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Dänemark verfügbar sind. Der europäische Marktstart für die Oberklasselimousine ET7 erfolgte im Oktober 2022 mit dem deutschen Markt. Geplant ist auch, in Europa eine Infrastruktur für Batteriewechselstationen aufzubauen. Dafür wurde in Ungarn ein Werk gebaut, das diese Stationen herstellt. Die erste wurde im September 2022 nach Deutschland geliefert und Ende 2022 in Zusmarshausen eröffnet.
Im Mai 2024 wurde die Marke Onvo (Abkürzung für on voyage, deutsch auf Reise) vorgestellt, unter der vergleichsweise günstige Fahrzeuge angeboten werden sollen. Zeitgleich wurde mit dem 4,83 Meter langen Onvo L60 das erste Fahrzeug als Konkurrenzmodell zum Tesla Model Y präsentiert. In China wird die Marke als Ledao geführt. Beim Nio Day im Dezember 2024 wurde mit Firefly eine weitere Marke vorgestellt. Das erste Modell Firefly EV ist ein elektrisch angetriebener Kleinwagen und wurde zeitgleich präsentiert.
Produktionsstandorte
Nio ließ zunächst seine Fahrzeuge in Hefei durch seinen JV Partner Anhui Jianghuai Automobile (JAC) bauen, bis im Dezember 2023 Nio die Zertifizierung als unabhängiger Fahrzeughersteller erhalten hatte. In diesem Zug übernahm Nio von JAC die beiden genutzten Fabriken F1 und F2. Die Inbetriebnahme der dritten Fabrik F3 ist für September 2025 geplant.
Besonderheiten der Fahrzeuge
Nomi
Mit Nomi wurde ein mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Assistent vorgestellt, der die Vorlieben der Fahrzeuginsassen erkennen kann und dann während der Fahrt automatisch die richtigen bzw. erwarteten Informationen bereitstellt. Nomi ist in den Modellen ES8 und ES6 eingebaut sowie vorne und im Heck des autonomen Konzeptfahrzeugs Nio EVE.
Batteriewechselstationen
Nio begann 2018, ein Netz von Batteriewechselstationen in China aufzubauen. Das Netz umfasste dort 170 Stationen im Januar 2021, 1294 im Dezember 2022 und 2432 im Juni 2024. Seit Mitte 2024 werden Stationen der vierten Generation, genannt „Power Swap Station 4.0“, installiert.
In Europa bestanden im Dezember 2022 zehn Batteriewechselstationen: je drei in Norwegen und den Niederlanden und je zwei in Schweden und Deutschland. Bis Ende 2023 sollte deren Zahl europaweit auf 120 steigen. Zur Beschleunigung des Ausbaus sollten bis zu 20 Schnellladeparks des EnBW-HyperNetz auch den Akkuwechsel anbieten.
Anfang September 2025 waren in Europa 61 Wechselstationen in Betrieb, davon 21 in Deutschland, weitere sind im Bau.
Verkaufs- und Geschäftszahlen
Fahrzeugverkäufe
Zwischen 2018 und 2024 sind in der Volksrepublik China und im europäischen Raum (unter anderem Norwegen und Deutschland) insgesamt 668.698 Neuwagen von Nio verkauft worden. Mit 326.028 verkaufen Fahrzeugen war 2025 das erfolgreichste Jahr.

