Mercedes-AMG
Die Mercedes-AMG GmbH, auch einfach nur AMG genannt, ist eine Tochtergesellschaft der Mercedes-Benz AG und zuständig für stark motorisierte Fahrzeuge des Konzerns.
Der Sitz von Mercedes-AMG in Affalterbach liegt ca. 20 km vom Hauptsitz der Mercedes-Benz AG in Stuttgart-Untertürkheim entfernt. Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher gründeten die Firma AMG am 1. Juni 1967. Der dritte Buchstabe der Firmenbezeichnung steht für Großaspach, den ursprünglichen Firmensitz am Geburtsort Aufrechts.
Geschichte
Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher gründeten 1967 die Firma AMG. Der erste große sportliche Erfolg war der Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps 1971 und der zweite Platz in der Gesamtwertung des AMG Mercedes 300 SEL 6.8, einer Rennversion des Mercedes-Benz 300 SEL 6.3. Im Jahre 1976 zog das Unternehmen nach Affalterbach. Nachdem 1990 ein Kooperationsvertrag mit Mercedes-Benz unterschrieben worden war, wurde 1993 das erste gemeinsame Fahrzeugentwicklungsprojekt, der C 36 AMG, umgesetzt. 1998 übernahm die Daimler AG 51 % der Anteile von Aufrecht und das Unternehmen wurde in Mercedes-AMG GmbH umbenannt. Der Firmensitz blieb Affalterbach. Seit Januar 2005 ist die Mercedes-AMG GmbH ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Daimler AG. AMG wurde zu einem Mercedes-Benz Original-Equipment-Manufacturer (OEM) im Bereich von Gesamtfahrzeug- und Motorentwicklung, ist in den Prozess der Fahrzeugentwicklungen von Mercedes-Benz integriert und entwickelt eigene Mercedes-Benz-Gesamtfahrzeugkonzepte im Hochleistungsbereich.
Im Jahr 2010 wurde nach 36-monatiger Entwicklungszeit der Mercedes-Benz SLS AMG vorgestellt; ab 2011 kam die gemeinsam mit der HWA AG entwickelte Rennversion des Flügeltürers nach Gruppe-GT3-Reglement als Mercedes-Benz SLS AMG GT3 zum Einsatz. Ende 2011 kündigte Mercedes-AMG eine Zusammenarbeit mit dem italienischen Motorradhersteller Ducati an. Ducati stellte auf der IAA in Frankfurt im September 2011 die Diavel AMG Special Edition vor. Dieses Projekt erledigte sich durch die Übernahme von Ducati durch Audi im April 2012.
Ab 2013 hatte Aston Martin eine Partnerschaft mit der Daimler AG, was auch die Lieferung von AMG-Motoren an Aston Martin beinhaltete. Im Juli 2014 wurden Verhandlungen zwischen Mercedes-AMG und dem italienischen Motorradhersteller MV Agusta bekannt. Ende Oktober 2014 unterzeichneten die Unternehmen eine Kooperationsvereinbarung, nach der Mercedes-AMG 25 Prozent von MV Agusta übernahm.
Am 9. September 2014 wurde unter dem Namen Mercedes-AMG GT die zweite Eigenentwicklung aus Affalterbach vorgestellt. Dieser löst seinen Vorgänger, den SLS AMG, ab.
Zum 1. August 2020 wechselte der langjährige AMG-Geschäftsführer Tobias Moers als CEO zu Aston Martin. Sein Nachfolger ist Philipp Schiemer, der zuvor CEO der Mercedes-Benz do Brasil Ltda war.
Im Januar 2023 gab die Mercedes-Benz Group in einer Pressemitteilung bekannt, dass Philipp Schiemer die Mercedes-AMG verlässt und Michael Schiebe seinen Posten zum 1. April 2023 übernimmt; Schiebe arbeitet über 15 Jahre bei Mercedes und war vor dieser Aufgabe im Büro von Ola Källenius (Chief of Staff to the Chairman of the Board of Management) und Leiter des Corporate Office.
AMG im Motorsport
Ende der 1960er- bis Anfang der 1970er-Jahre setzte AMG die große Mercedes-Limousine 300 SEL 6.3 im Tourenwagensport ein. Dieser spektakuläre Wagen, mit über 295 kW (401 PS) aus einem auf 6,8 Liter Hubraum aufgebohrten V8-Motor, erzielte einige Achtungserfolge, hatte jedoch aufgrund des hohen Gewichts Probleme mit den Reifen. Rennteilnahmen um 1980 erfolgten mit dem Coupé 450 SLC 5.0 auf Basis der Mercedes-Benz C 107.
Nach der Einführung des sportlichen Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 mit 4-Ventil-Technik setzte unter anderem AMG diesen in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) ein. Das Werk unterstützte die räumlich nahegelegene Mannschaft ab 1988 (neben den Sportwagen von Peter Sauber), so dass AMG den Status eines Werksteams bekam bzw. später ganz übernommen wurde. In den Jahren 1992 und 1994 errang Klaus Ludwig den DTM-Titel, 1995 Bernd Schneider. Zudem gewann dieser im selben Jahr den Titel in der neu geschaffenen und parallel stattfindenden ITC, die mit den gleichen Fahrzeugen im europäischen Ausland ausgetragen wurde.
1996 wurde nur noch eine Meisterschaft unter der Bezeichnung ITC im In- und Ausland ausgetragen. Nach deren Aus am Ende des gleichen Jahres (durch Rückzug der Konkurrenz von Opel und Alfa Romeo aus Kostengründen) erlaubte die FIA für 1997 einen Einstieg in die GT1-Weltmeisterschaft mit dem in kurzer Zeit über dem Winter entwickelten Mercedes-Benz CLK GTR, obwohl noch keine der vorgeschrieben 25 Straßenfahrzeuge vorhanden waren. Das kompromisslos als Rennwagen entwickelte V12-Fahrzeug gewann 1997 prompt die WM gegen Konkurrenz von unter anderem Porsche und private McLaren-BMW. 1998 wurde die Evolutionsstufe CLK LM mit V8-Motor eingeführt, die zwar in Le Mans mit Ölpumpenproblemen ausschied, aber ansonsten die GT-Weltmeisterschaft gegen den ebenfalls weiterentwickelten Porsche 911 GT1-98 dominierte. Da die private GT1-Konkurrenz chancenlos war und sich zurückzog, endete auch diese Serie mangels Gegnern. Die ersten CLK-GTR-Straßenfahrzeuge wurden erst jetzt ausgeliefert.
Nach der Eingliederung von AMG in den DaimlerChrysler-Konzern gründete Hans-Werner Aufrecht 1998 die H.W.A. GmbH (heute HWA AG), welche die Renneinsätze für Mercedes-Benz bzw. Mercedes-AMG durchführte.
Auch in der Formel 1 werden AMG-Fahrzeuge außerhalb der eigentlichen Rennveranstaltung als Hilfsfahrzeuge eingesetzt. Beispiele hierfür sind das Medical Car und das Safety Car, für die in der Saison 2019 das Mercedes-AMG C 63 T-Modell respektive der AMG GT R eingesetzt wurden. 2010 bis 2014 wurde ein modifizierter SLS AMG als Safety Car eingesetzt. Seit dem Jahr 2012 tritt auch das Mercedes-Werksteam in der Formel 1 unter dem Namen „Mercedes AMG Petronas F1 Team“ an und konnte am 14. bzw. 15. April 2012 beim Großen Preis von China durch Nico Rosberg die erste Pole-Position und den ersten Sieg feiern. Zwischen 2014 und 2020 konnten sieben Fahrer- sowie fünf Konstrukteursweltmeisterschaften in der Formel 1 gewonnen und mehrere Rekorde aufgestellt werden. Siehe auch: Formel-1-Statistik
Besonderheiten
AMG produzierte ab dem Jahr 2004 in einer Kleinserie einen der leistungsstärksten Roadster der Welt, den SL 65 AMG auf Basis des Mercedes-Benz R 230. Der dort eingesetzte V12-Biturbo-Motor mit sechs Litern Hubraum und 450 kW (612 PS), der auch im Maybach verbaut wurde, wurde auch in anderen Modellen von AMG angeboten. Das Drehmoment dieses Motors lag bei 1200 Nm, wurde aber über das Motorsteuergerät auf maximal 1000 Nm begrenzt, um das Getriebe und andere Komponenten im Antriebsstrang nicht zu überlasten. Das maximale Drehmoment lag schon bei Umdrehungen ab 2000 min−1 an, was ein souveränes Fahrverhalten ermöglicht, da immer genug Kraft ohne große Drehzahlsteigerung vorhanden ist.
Der V12-Biturbo-Motorblock kam außerdem in der S-Klasse-Limousine, der G-Klasse und im CL Coupé zum Einsatz. Bei allen Baureihen mit diesem Motor war die Leistung gleich. Nur für die 2009 aufgelegte und auf 350 Exemplare limitierte Sonderserie SL 65 AMG Black Series wurde die Leistung auf 493 kW (670 PS) gesteigert.
Für den Mercedes-Benz SLR McLaren der 2003 bis 2009 produziert wurde, wurde der V8-Kompressor-Motor zugeliefert, aber mit bis zu 478 kW (650 PS).
In den 1980er-Jahren kooperierte AMG mit mehreren japanischen Automobilherstellern. Aus der Zusammenarbeit mit Mitsubishi sind die Modelle Galant AMG (1989-1993, 1395 Stück), sowie Debonair V 3000 Royal AMG entstanden. Von letzterem wurden ab 1987 in vier Jahren knapp über 300 Stück produziert. Beide Modelle wurden nur auf dem japanischen Markt angeboten. Ausschließlich in Südafrika wurde der Honda Ballade AMG angeboten.
Mercedes-AMG Motorcodes / Motorenübersicht / Motornummern / Motorenkennziffern
| Motor-BM | Verkaufsbezeichnung | Motor Benennung | BR |
| 112.960 | M112 E32 ML | V6-Ottomotor M112 E32 ML | 170 |
| 112.961 | M112 E32 ML | V6-Ottomotor M112 E32 ML | 203 |
| 112.962 | M112 E32 ML | V6-Ottomotor M112 E32 ML | 193 |
| 113.980 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 210 |
| 113.981 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 163 |
| 113.982 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 463 |
| 113.983 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 202 |
| 113.984 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 208 |
| 113.985 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 129 |
| 113.986 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 215 |
| 113.986 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 | 220 |
| 113.987 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 evo | 209 |
| 113.988 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 evo | 203 |
| 113.988 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 evo | 209 |
| 113.989 | M113 E55 | V8-Ottomotor M113 E55 evo | 171 |
| 113.990 | M113 E55 ML | V8-Ottomotor M113 E55 ML | 211 |
| 113.991 | M113 E55 ML | V8-Ottomotor M113 E55 ML | 220 |
| 113.991 | M113 E55 ML | V8-Ottomotor M113 E55 ML | 215 |
| 113.992 | M113 E55 ML | V8-Ottomotor M113 E55 ML | 230 |
| 113.993 | M113 E55 ML | V8-Ottomotor M113 E55 ML | 463 |
| 113.994 | M113 E55 ML | V8-Ottomotor M113 E55 ML | 209 |
| 113.995 | M113 E55 ML | V8-Ottomotor M113 E55 ML evo | 230 |
| 137.980 | M137 E63 | V12-Ottomotor M137 E63 | 215 |
| 137.980 | M137 E63 | V12-Ottomotor M137 E63 | 220 |
| 155.980 | M155 E55 | V8-Ottomotor M155 E55 | 199 |
| 156.980 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 251 |
| 156.980 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 164 |
| 156.981 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 230 |
| 156.982 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 209 |
| 156.983 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 211 |
| 156.983 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 219 |
| 156.984 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 216 |
| 156.984 | M156 E63 | V8-Ottomotor M156 E63 | 221 |
| 275.980 | M275 E60 | V12-Ottomotor M275 E60 LA | 215 |
| 275.980 | M275 E60 | V12-Ottomotor M275 E60 LA | 220 |
| 275.981 | M275 E60 | V12-Ottomotor M275 E60 LA | 230 |
| 275.982 | M275 E60 | V12-Ottomotor M275 E60 LA | 216 |
| 275.982 | M275 E60 | V12-Ottomotor M275 E60 LA | 221 |
| 285.980 | M275 E60 | V12-Ottomotor M285 E60 LA | 240 |
| 612.990 | OM612DE30LA | R5-Dieselmotor | 203 |

