Der Škoda 1203 war ein heckgetriebener Kleintransporter der Marke Škoda und später auch TAZ. Die Entwicklung begann 1956, die Serienfertigung konnte jedoch erst 1968 aufgenommen werden. Im Lauf der Entwicklung kam es zu mehreren technischen und gestalterischen Änderungen. Heute wird das Fahrzeug nahe der Stadt Vrchlabí als Ocelot 1203 oder Ocelot 1500 in geringer Stückzahl hergestellt.

Skoda 1203, Rettungswagen Tschechische Armee, Modellauto, Abrex 1:43

Modellgeschichte

Entwicklung

Mit dem Auftrag von AZNP in Mladá Boleslav (damalige Bezeichnung für die Zentrale von Škoda Auto), ein leichtes Nutzfahrzeug in Frontlenkerbauweise zu entwickeln, 1956 begannen die Entwicklungsarbeiten. Das Hauptwerk in Mladá Boleslav fertigte zusammen mit dem Zweigwerk Vrchlabí (kurz: AZV) noch im gleichen Jahr den ersten Prototypen für die Personenbeförderung mit der internen Bezeichnung Š 979. Das Fahrzeug hatte eine Nutzlast von einer Tonne. Motor, Getriebe und Kupplung stammten vom Škoda 1201. Der Motor war längs zur Vorderachse eingebaut. Diese hatte eine Doppelquerlenker-Radaufhängung mit Schraubenfedern. Die Hecktür wurde nach links geöffnet.

Ab dem zweiten Prototyp von 1957 wurde der Motor wie in der Serienproduktion mittig zwischen den Vordersitzen angeordnet. Der fünfte Prototyp entstand 1959 mit einer Drehstabfederung für die Hinterachse. Der Motor hatte einen Hubraum von 1491 cm³, welcher für die Modernisierung des Škoda 1201 gedacht war. Der Motor wurde jedoch nie serienmäßig verwendet.

Bis 1965 entstanden weitere zehn Prototypen, die immer mehr Elemente des späteren 1203 erhielten. Die interne Bezeichnung für das spätere Serienmodell änderte sich auf Š 997. Es war jedoch immer noch unklar, ob es überhaupt zur Serienproduktion kommen sollte.

1966 entschied die staatliche Automobilbauorganisation die Auslagerung der Motoren- Getriebe- und Kupplungsfertigung zum staatlichen Unternehmen Kovosmalt in Trnava. Das Werk wurde aufgrund der Produktionsänderung in Trnavské automobilové závody (kurz: TAZ) umbenannt. Der Produktionsbeginn war für 1966 beschlossen, konnte auf Grund schwerer technischer Probleme und einer noch nicht erbauten Montagehalle aber erst Ende 1968 aufgenommen werden. Parallel zum neuen Modell lief die Fertigung des Škoda 1202 noch bis 1973.

 

 

Produktion und Änderungen

1972 wurde die Produktionsorganisation erneut geändert: Teile der Produktion aus Vrchlabí sollten nach Trnava verlegt werden. Im gleichen Jahr wurde während der Entwicklung der Mittelklasselimousine Škoda 1500 ein OHC-Motor mit 1498 cm³ und 62,5 kW (85 PS) eingebaut. Auch dieser Motor aus dem Prototypen Škoda 1500V wurde nie in die Serienfertigung übernommen. Im Jahr 1973 wurde die Produktion der Vorderachse aus dem Teilewerk Kutná Hora nach Trnava verlagert. Später wurde auch die Hinterachse in Trnava produziert. Zwischenzeitlich wurden am neuen Produktionsstandort Trnava im April testweise drei Fahrzeuge des Modells 1203 hergestellt. Ab 1974 erfolgte die Produktion der Variante Van in Trnava. Gleichzeitig wurde auch die Sicherheit erhöht, die Wirtschaftlichkeit gesteigert und die Wartung vereinfacht. Das Bremssystem erhielt einen Bremskraftverstärker, ein neues mechanisches Türschloss, größere Außenspiegel und in die Karosserie eingebaute Türgriffe. Der Ölverbrauch wurde gesenkt und die Motorleistung durch einen Zweikammer-Vergaser gesteigert. Die Typenbezeichnung änderte sich wie beim Škoda 1000 MB gleichzeitig auf Š 776. Gestalterisch erhielt das Fahrzeug neue Schriftzüge und mehr Kunststoffapplikationen. In den nächsten zwei Jahren stieg die Produktion enorm an. So wurden 1976 in Vrchlabí etwa 7500 Fahrzeuge, in Trnava etwa 2500 Fahrzeuge gefertigt. Gleichzeitig fing die Produktion des Škoda 120 GLS im Werk Vrchlabí an. Bis 1981 wurde die gesamte Transporterfertigung nach Trnava verlegt.

Das Fahrzeug erhielt in den 1980ern schwarze Stoßstangen aus Stahl und eine Zweikreisbremsanlage mit doppeltem Bremskraftverstärker. 1983 entstanden die ersten Campingfahrzeuge mit Aufstelldach. Im Zeitraum von 1983 bis 1984 entstanden in Kooperation mit dem Werk Bratislavské automobilové závody (kurz: BAZ) zwei moderne Prototypen, sie erhielten die Namen TAZ I und TAZ II. Wie bei vielen anderen Projekten in den RGW-Ländern (z.B. Barkas 1100) wurde die weitere Entwicklung wegen der nicht finanzierbaren Investitionssumme durch die Regierung gestoppt.

Im Mai 1985 wurde die lang gewünschte Leistungssteigerung genehmigt. Der Hubraum des Motors erhöhte sich nun von 1221 auf 1433 cm³. Gleichzeitig wurde ein Fünf-Gang-Getriebe eingeführt. Beides ermöglichte die Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit von 95 auf 110 km/h. Optisch auffällig waren bei beiden Modellen die nun eckigen Blinker und die ebenfalls eckigen Scheinwerfer. Das Modell wurde kurze Zeit als Škoda 1203 M verkauft, bis sich die Fahrzeugbezeichnung 1987 auf TAZ – Š 1203 oder TAZ – Š 1500 änderte und wieder runde Scheinwerfer verbaut wurden. Vier Jahre nach der Einführung des neuen Motors wurde der schwächere Motor mit dem Vier-Gang-Getriebe noch als Option angeboten. Gleichzeitig verzichtete man auf den kleinen Überhang des Daches über der Windschutzscheibe, was den Verbrauch um 4,5 % senkte. 1986 erhielt die Vorderachse Scheibenbremsen. In diesem Jahr wurden 6053 Fahrzeuge hergestellt. 1989 wurde das Bremssystem weiter modernisiert. Das Fahrzeug wurde in den 1990ern von der ostdeutschen Firma Pelucar in Lizenz nachgebaut.

Komplette Übernahme des Modells

Nach der Samtenen Revolution war der Transporter das wichtigste Fahrzeug für neu gegründete oder privatisierte Werkstätten und sonstige Unternehmen in der Tschechoslowakei.[1] Die Bevölkerung bemerkte jedoch schnell, dass das Fahrzeug in Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und der Motorleistung mit westeuropäischen Fahrzeugen nicht konkurrieren konnte. So fing man an, gebrauchte Nutzfahrzeuge der Marken Volkswagen, Ford oder Fiat für Polizei und Rettungsdienste zu importieren. Alte Fahrzeuge wurden schnell ins östliche Ausland verkauft oder verschrottet.

1993 erhielt das Fahrzeug erstmals eine Motorsteuerung, optional Plastikstoßstangen oder einen Katalysator. Im Zuge der Trennung des nun selbstständigen Automobilwerks aus Trnava von Škoda wurde das Fahrzeug in TAZ 1500 umbenannt. Fahrzeuge mit Katalysator erhielten die Bezeichnung TAZ 1500 Kat. 1994 entstanden in Kooperation mit ausländischen Unternehmen weitere Prototypen wie zum Beispiel der TAZ Sipox, die nie in Produktion gingen. 1995 wurde erneut ein neues Modell entwickelt, es hatte einen 1,9-Liter-VW-Motor und ein Peugeot-Getriebe. Zwei Jahre später entstand in einer Kleinserie das Fahrzeug TAZ 1900 mit VW-Dieselmotor. Es hatte ein Hubraum von 1896 cm³. Das Modell hatte eine veränderte Front und die dementsprechende Aufschrift TAZ 1900.

Bis in das Jahr 1999 wurden insgesamt 69.727 Serienfahrzeuge hergestellt. Heute baut das Kleinunternehmen Ocelot in Žacléř die Fahrzeuge. Ocelot gibt dabei an, dass man 80 % der Teile selber neu fertigt. Der Rest wird von alten Fahrzeugen übernommen und generalüberholt. Jährlich werden etwa 20 Fahrzeuge hergestellt.[1]

Modellvarianten

Das Fahrzeug war der einzige in der damaligen Tschechoslowakei produzierte Kleintransporter und dadurch dort der wichtigste. Der Staat sah es als notwendig an einen Wagen für Polizei, Feuerwehr, Armee und Wirtschaft zu produzieren. Während der Produktion entstanden daher mehrere Ausführungen. Die zuerst produzierte Van war ein Kastenwagen ohne hintere Seitenscheiben. Die Ausführung Com war wie der Van ein Lieferwagen. Dieser hatte hinten auch keine Seitenscheiben, jedoch fünf Sitze. Der Minibus war ein fünf– oder achtsitziger Wagen in den Ausführungen Standard oder de Lux. Die Ausstattungsvariante Ambulance war als Rettungswagen gedacht und verfügte über zwei Liegeplätze hinten und Milchglasscheiben im hinteren Fahrzeugbereich. Als Ersatz für den Pick-up des 1202 wurde der Rol produziert, ein Pritschenwagen, den es auch mit Planenaufbau gab. Für Bestatter gab es den Furgon, einen schwarzen Leichenwagen mit Milchglasscheiben wie beim Rettungswagen. Für die Armee wurde die Version V II gebaut. Neben den Grundversionen gab es auch Spezialaufbauten für Gastransporte, das Militär oder als Abschleppwagen. Für die Landwirtschaft und das Militär wurde das geländegängige Agromobil mit der Typenbezeichnung Š 998 als Kleinstserie von 23 Fahrzeugen hergestellt.

Ausstattung

Die Heckleuchten und Teile der Innenausstattung stammen vom Škoda 1000 MB. Der Motor ist eine Weiterentwicklung vom Škoda 1202.[2] Das Fahrzeug verfügte über eine Heizung und über eine Lüftung. Diese wurden durch zwei Hebel in der Mittelkonsole geregelt. Teile der Innenausstattung und vor allem das Armaturenbrett wurden immer wieder dem aktuellen Produktionsprogramm aus den Fahrzeugen Škoda 100, Škoda 742, Škoda Favorit oder zuletzt aus dem Škoda Felicia übernommen und teilweise angepasst.

Technische Daten

Modell

Škoda 1203

Škoda 1203 M, TAZ-Š 1203

TAZ 1500

Motor

wassergekühlter Vierzylinder-Reihen-Ottomoter OHV aus Gusseisen, vorne längs eingebaut, Zündfolge 1–3–4–2

Leistung

47 PS (35 kW) bei 4600 min-1

57 PS (42 kW) bei 4500 min-1

Hubraum

1221 cm³

1433 cm³

Bohrung × Hub

72 × 75 mm

72 × 88 cm

Vergaser

Zweikammer-Vergaser Jikov 32 BS-14 (ab 1974)

Zweikammer-Vergaser Jikov 32 SEDR

Drehmoment bei 1/min

88 Nm bei 3000 Umdrehungen

105 Nm bei 2500 Umdrehungen

Getriebe

Viergang, 2. bis 4. synchronisiert (ab 1986 auch Fünfgang)

Fünfgang

Kupplung

trocken, einscheibig

Höchstgeschwindigkeit

90–95 km/h

110–115 km/h

Beschleunigung 0–80 km/h

40 s

30,23 s

Tankinhalt

40 l

Verbrauch bei 60 km/h

ca. 10–12 Liter/100 km

Elektrik

12 Volt, Lichtmaschine 300 Watt, Batterie 50 Ah

Karosserie

selbsttragend, Vollstahl

Vorderachse

Spurweite 1360 mm

Bremsen vorn

Trommelbremsen (ab 1986 Scheibenbremsen)

Hinterachse

Spurweite 1350 mm

Bremsen hinten

Trommelbremsen

Bereifung

6,40 – 15 „Extra Transport“

Wendekreis

10 m

Radstand

2320 mm

Länge × Breite × Höhe

4520 × 1800 × 1900 mm

Leergewicht

1130–1280 kg

Bauzeit

1968–1985

1981–1999

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Skoda 1203 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Auf dieser Seite sind auch Versionen und Autorenangaben verzeichnet.

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