Der BMC ADO17 war eine viertürige Mittelklasse-Limousine, die von British Motor Corporation (BMC), später British Motor Holdings (BMH) und schließlich von British Leyland (BLMC) von 1964 bis 1975 mittels Badge-Engineering unter verschiedenen Modellbezeichnungen angeboten wurde, namentlich als Austin 1800 und Austin 2200, als Morris 1800 und Morris 2200 sowie als Wolseley 18/85 und Wolseley Six. Der Wagen wurde von Alec Issigonis, dem Schöpfer des Austin Mini, entworfen und 1965 zum Auto des Jahres gewählt.

Oxford 1/76 Luxan Blue Wolseley 18/85 Series III

Der ADO17 war eine vollkommene Neuentwicklung und zeichnete sich durch Einsatz moderner Technik aus. Er wurde zudem wie bereits zuvor der Mini und der ADO16 unter Maßgabe möglichst hoher Raumausnutzung konzipiert. Dies führte zu ungünstigen Größenverhältnissen der Karosserie und einem ungewöhnlich langen Radstand. Insgesamt geriet das Fahrzeug zu groß und zu schwer. Dies erschwerte die Marktpositionierung und brachte dem Wagen obendrein den Spitznamen „the Landcrab“ (deutsch: „die Landkrabbe“) ein. Letztlich wurden 386.811 Einheiten gebaut.

Entwicklung

Nach den großen Anfangserfolgen des Kleinwagens Mini (ADO15) und des 1100 (ADO16) stand bei BMC die völlige Neuentwicklung eines Volumenmodells für die Mittelklasse an. Das Fahrzeug sollte den Austin A60 ablösen. Die Karosserie wurde von Pininfarina gestaltet und war als Stufenheck mit vergleichsweise langem Radstand und sehr kurzen Überhängen ausgeführt. Dadurch erschien der Wagen von der Seite betrachtet ungewöhnlich langgestreckt, was ihm den Spitznamen „the Landcrab“, deutsch: „die Landkrabbe“ einbrachte. Dazu war das Fahrzeug für seine Klasse sehr breit. Auch die Glasflächen waren ausgesprochen groß.

Bei der Antriebseinheit griff man auf eine Technik zurück, die sich bereits beim Mini und dem 1100 bewährt hatte. Der Motor stand vorn quer, das Getriebe lag darunter und trieb die Vorderräder an. Der Kühler stand auf der linken Seite längs zur Fahrtrichtung. Die gesamte Antriebseinheit fand vor der Vorderachse Platz. Dazu kam Hydrolastic-Dämpfung, im Gegensatz zum Mini kamen diesmal jedoch keine Hilfsrahmen mehr zum Einsatz; stattdessen wurden die Aufnahmepunkte an der Karosserie entsprechend versteift. Zu den technischen Neuerungen zählten außerdem Bremskraftregler und eine Servolenkung.

 

 

Modellgeschichte

Der ADO17 kam zwei Jahre nach Produktionsbeginn als Wolseley 18/85 heraus und ein weiteres Jahr später als Morris 1800 (mit nur 80 bhp / 59 kW).

Der Austin 1800 besaß einen 4-Zylinder-Reihen-Ottomotor mit 1798 cm³ Hubraum und 84 bhp (62 kW) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 143 km/h.

Mit einem etwas stärkeren Motor (86 bhp / 63 kW) erschien 1968 der Austin 1800 Ser. II und das Schwestermodell Morris 1800 Mk II. Die Höchstgeschwindigkeit betrug dadurch 149 km/h.

Ein Jahr später wurde zusätzlich der Austin 1800 S (und seine Entsprechung Morris 1800 Mk II S) mit 96 bhp (70,5 kW) und 159 km/h Höchstgeschwindigkeit angeboten. 1973 entstand der Morris 1800 Mk III, der das Modell Mk II ersetzte. Er verfügte über 87 bhp (64 kW) und erreichte eine Geschwindigkeit von 146 km/h.

1975 wurde die Produktion des Austin 1800 / Morris 1800 eingestellt. Der Wolseley wurde schon drei Jahre vorher durch den Wolseley 2200 mit 6-Zylinder-Motor ersetzt. Nachfolger war der Princess.

Weiterentwicklungen

Austin 3-litre (1967–1972)

Beim 3-litre handelte es sich im Grunde um einen ADO17 mit 6-Zylinder-Ottomotor, größerem Kofferraum und besserer Ausstattung. Besonderes äußeres Merkmal waren die Türen aus dem ADO17. Mit einem Neupreis von £ 1500 war der 3-litre knapp doppelt so teuer. Von diesem Typ wurden 9992 Exemplare gebaut.

Austin Maxi(1969–1981)

Mit dem Maxi entstand ein weiteres Pkw-Modell mit den Türen des ADO17. Er besaß eine leicht verkürzte Karosserie mit Fließheck und großer Heckklappe.

Austin Kimberley und Tasman (1970–1973)

In Australien konstruierte Weiterentwicklung des ADO17 mit verlängerter Front- und Heckpartie sowie mit dem 6-Zylinder-Motor des späteren Austin 2200.

Verwandte Automobile

Panther De Ville

Die Fahrgastzelle des ADO 17 einschließlich ihrer auffälligen Türen wurde für die viertürige Version des von 1974 bis 1985 hergestellten Neoklassikers Panther De Ville verwendet.

Rolls-Royce Rangoon

Anfang der 1960er-Jahre war der ADO 17 Bestandteil eines gemeinsamen Entwicklungsprojekts von BMC und Rolls-Royce. Der britische Luxuswagenhersteller verwendete die Fahrgastzelle des ADO 17 für einen 1963 entwickelten „kleinen Rolls-Royce“, der unterhalb des Silver Cloud angesiedelt war. Das Modell erhielt die Bezeichnung Rolls-Royce Rangoon, das Schwestermodell von Bentley wurde als Bengal bezeichnet. Zu einer Serienfertigung kam es nicht.

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