Fiat 1100 (1000er-Serie)

Die Bezeichnung Fiat 1100 trugen zwei unterschiedliche Modelle des italienischen Autoherstellers Fiat.

Fiat 1100, 1100d, 1100r & 1200 1957-1969 Owners Workshop Manual

Starrrahmenmodelle (1937 - 1953)

Das erste Modell wurde unter der Bezeichnung Balilla 1100 oder Fiat 508 C / L (kurzer, bzw. langer Radstand) in den Jahren 1937 - 1939 gebaut. Die viertürige Limousine hatte einen vorne eingebauten Vierzylinder-Reihenmotor mit 1089 cm³ und 30 - 32 PS / 22 - 23,5 kW. Über ein Viergang-Getriebe mit Mittelschaltung wurde die Hinterachse angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 95 - 110 km/h.

Als Wettbewerbsfahrzeug entstanden auch ca. 10 zweitürige Coupés, Fiat 1100 508 C - M.M. (508 C - Mille Miglia). Als Antrieb diente der gleiche Motor, allerdings mit einer Leistung von 42 PS / 31 kW. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 142 km/h.

Zwischen 1937 und 1951 wurde in Frankreich von Simca der Fiat 1100 als Simca 8 gefertigt. Als Simca 8/1200 gab es schon ab 1949 eine Version mit einem 1221-cm³-Motor, also acht Jahre vor dem entsprechenden Fiat-Modell. Dieser stärkere Motor war schon 1948 im Simca 8 Sport vorgestellt worden.

1939 bis 1948 wurde die oben genannte Limousine im Wesentlichen unverändert mit beiden Radständen unter der Bezeichnung Fiat 1100 weitergebaut. Markantes Merkmal der 1100 A war der bugförmige Kühlergrill („mussone“).

1947 bis 1950 baute man auch wieder ein Wettbewerbs-Coupé, diesmal aber in Serie (401 Stück) den Fiat 1100 S. Die Karosserie entsprach in etwa der des Mille-Miglia-Modells, die Motorleistung betrug 51 PS / 37,5 kW. Der Wagen erreichte max. 150 km/h.

1948 erhielt die technisch modernisierte Limousine die Bezeichnung Fiat 1100 B / BL, die Motorleistung stieg auf 35 PS / 26 kW für den kurzen "B", der lange "BL" hatte weiterhin 30 PS. Die Fahrleistungen blieben ebenfalls gleich. Legendär sind die Lieferwagen auf Basis des langen Chassis, die Typen 1100 BLR bzw. 1100 ELR, die in Italien bis in die Siebziger Jahre anzutreffen waren.

1949 hießen die entsprechenden Modelle mit Lenkradschaltung und Kofferraumdeckel Fiat 1100 E / EL, 1950 wurde die Produktion des EL eingestellt, die Taxi-Version 1100 BL Tassi blieb jedoch bis 1953 im Programm.

1950 wurde das Coupé Fiat 1100 S mit stark veränderter Karosserie (pininfarina) als Fiat 1100 ES weitergebaut. Bei gleicher Motorleistung schaffte es wegen des höheren Gewichts "nur" mehr 140 km/h - immer noch so schnell wie Porsche damals. 1951 wurde das Coupé endgültig eingestellt.

1953 folgten ihm auch die Starrrahmen-Limousinen in die "Ewigen Jagdgründe". - Für den Lieferwagen 1100 I (Karosserie wie 103) wurden die Rahmen jedoch leicht verkürzt bis 1959 weitergebaut.

 

 

Modelle mit selbsttragender Karosserie (1953 - 1970)

Der Fiat 1100-103 war ein Mittelklassewagen mit vier Türen und konventionellem Antrieb. Er kam erstmals 1953 auf den Markt und wurde bis Ende der 1960er Jahre in Italien produziert. Es gab auch außerhalb von Italien Produktionsstandorte mit Untermarken von Fiat, u. a. als NSU-Fiat Neckar (Karosseriefertigung bei Weinsberg) in Deutschland oder als Steyr-Fiat in Österreich. Auch Lizenznachbauten, zuletzt bis in die 1990er Jahre in Indien als Premier Padmini, zeugen noch heute von dem gelungenen Wagen.

Der normale Fiat 1100-103 hatte wieder einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 1089 cm³ und 36 PS / 26,5 kW und ein Viergang-Getriebe - wie bereits der Fiat 1100 E mit Lenkradschaltung. Der Wagen war als viertürige Limousine (siehe oben) und als fünftüriger Kombi (Familiare) verfügbar. Seine Höchstgeschwindigkeit betrug 115 km/h. Von der Limousine gab es das Modell Fiat 1100-103 TV mit einer Motorleistung von 50 PS / 37 kW und 135 km/h Höchstgeschwindigkeit, der auch auf Grund seiner sportlichen Fahrleistungen an der Mille Miglia teilnahm. Mit dem gleichen Motor war auch der Fiat 1100-103 TV Trasformabile, ein zweitüriges Cabriolet, ausgestattet (siehe Fiat 1100TV Spider) und zudem entstanden einige Rennwagen mit dessen Technik. Seine Höchstgeschwindigkeit war 143 km/h.

Ab 1956 hießen die Modelle Fiat 1100-103 E. Die Motorleistung stieg bei den Limousinen und Kombis auf 40 (SAE) PS / 29 kW (Höchstgeschwindigkeit 120 km/h), beim "Trasformabile" auf 53 (SAE) PS / 39 kW (Höchstgeschwindigkeit 142 km/h). Die Limousine 1100 war eines der ersten Autos mit umklappbarer hinterer Rückenlehne. Das Modell TV bekam eine Zweifarb-Lackierung in Metallic-Tönen und eine aufwendige Innenausstattung.

Ab 1957 brachte es der Fiat 1100-103 D auf 43 PS / 31,6 kW. Der "trasformabile" wurde zum Fiat 1200 Spider (53 PS / 1221 cm³) und der Typ TV durch den Fiat 1200 Granluce ersetzt.

1959 stieg die Motorleistung beim Fiat 1100-103 H (1100 Luxus) weiter auf 50 (CUNA-)PS bzw. 48 (DIN) PS / 36,5 kW (CUNA), die Fahrleistungen auf 130 km/h.

1960 wurde das Modell Fiat 1100 Luxus (103H) durch den Fiat 1100 Export (ebenfalls 103H) mit einfacherer Ausstattung ersetzt und der Kombi Fiat 1100-103 D durch den Kombi auf Basis des Fiat 1100 Export (Motor 103H). Gleichzeitig kam der erste Fiat 1100 mit vorne angeschlagenen Türen: der Fiat 1100 Speciale mit der Karosserie des Fiat 1200 in vereinfachter Ausstattung.

Ab 1962 präsentierte sich der Fiat 1100 D (103 G) mit überarbeiteter Karosserie und dem Motor des Fiat 1200 Granluce mit 1221 cm³ und 50 PS (DIN) / 37 kW, der nicht mehr gebaut wurde. Die Front war zierlicher gestaltet, sie hatte einen Kühlergrill ohne den wulstigen Chromrand.

1966 stand die letzte Änderung an: Der Fiat 1100 R (103 P) hatte nicht nur einen erneut überarbeiteten Kühlergrill und eine neue Heckansicht mit runden Leuchten (Limousine), er war unter der Blechhülle radikal überarbeitet worden. Das Fahrwerk wurde geändert, er bekam Scheibenbremsen, kleinere Räder, andere Kardanwellen, im Innenraum erwartete eine Stockschaltung und ein völlig umgestaltetes Armaturenbrett den Fahrer. - Und es war wieder ein 1100: der 1089 cm³ - Motor kam wieder zum Einsatz, wieder mit 48 (DIN) PS / 35 kW (DIN). Wegen des deutlich geringeren Eigengewichts stieg die Höchstgeschwindigkeit geringfügig auf 132 km/h.

Im Jahre 1970 wurde der Fiat 1100 endgültig eingestellt und durch den ein Jahr vorher erschienenen frontgetriebenen Fiat 128 ersetzt, der auf den Erfahrungen mit den Autobianchi Primula-Modellen basierte, die anfangs ebenfalls mit dem Motor des Fiat 1100 bzw. Fiat 1200 ausgerüstet waren.

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