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GAZ

Gorkowski Awtomobilny Sawod (deutsch Gorkier Automobilwerk) ist ein russischer Automobilkonzern mit Sitz in Nischni Nowgorod (ehemals Gorki).

Gegründet wurde GAZ 1932 als Resultat des ersten Fünfjahrplans der Sowjetunion.

Bis 1932, dem Jahr der Umbenennung Nischni Nowgorods in Gorki, war das Werk unter dem Namen Nischegorodski Awtomobilny Sawod bekannt. Heute gehört GAZ zur GAZ-Gruppe.

Der Buchstabe M in verschiedenen Typenbezeichnungen geht auf den von 1935 bis 1956 verwendeten Beinamen W. M. Molotow zurück. Er war von 1930 bis 1941 sowjetischer Regierungschef und von 1939 bis 1949 sowie 1953–1956 sowjetischer Außenminister.

 

 

Nachdem der Fünfjahresplan 1928–1932 besondere Aufmerksamkeit auf die bis dahin wenig entwickelte Automobilproduktion legte, schloss der Oberste Wirtschaftssowjet 1929 ein Abkommen mit dem amerikanischen Autobauer Ford, von dem Produktionsanlagen importiert und Lizenzen für die ersten Modelle übernommen wurden. Der Autoschlosser Andrei Aleksandrowitsch Lipgart, der nach Hochschulbesuch 1930 zum Studium der US-Autoindustrie in die USA entsandt worden war, wurde 1933 Chefkonstrukteur von GAZ und blieb es bis 1951. Er zeichnete sich nicht nur durch hohe technische Kreativität, sondern auch durch sehr gute Führungsfähigkeiten aus.

GAZ wurde eine der größten Autofabriken der Russischen Sowjetrepublik; nachdem im Jahr 1930 mit dem Bau der Fabrikanlagen begonnen wurde, lief die Produktion im Jahr 1932 an. In den Vorkriegsjahren wurden vor allem Lastwagen, etwa der 1,5-Tonner GAZ-AA, aber auch Personenwagen wie der GAZ-A oder der GAZ-M1 (seit 1936) gebaut. Letzterer wird auch als Emka bezeichnet und basiert auf dem V8-40 von Ford. Während des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Zweiten Weltkrieg produzierte GAZ nur noch LKW für die Kriegsindustrie. Dabei wurde das Werk mehrfach im Sommer 1943 während der Luftangriffe auf Gorki getroffen und hatte Produktionsausfälle zu beklagen. GAZ wurde 1941 und 1971 mit dem Leninorden ausgezeichnet, 1944 mit dem Rotbannerorden und 1945 mit dem Orden des Vaterländischen Krieges 1. Klasse.

Ein wichtiger Konstrukteur war Juri Dolmatowski. Nach 1945 folgten Eigenentwicklungen wie 1946 der GAZ-M20 Pobeda, 1950 der luxuriöse GAZ-12 ZIM und 1954 das Amphibienfahrzeug GAZ-46 auf Grundlage des Geländewagens GAZ-69.

1952 wurde Lipgart nach Konflikten mit Stalin ins Uralski Awtomobilny Sawod, 1953 aber zurück in die Forschung und Motorenkonstruktion nach Moskau versetzt, wo er später ordentliches Mitglied des Akademie der Wissenschaften wurde und 1980 hochgeehrt verstarb.

Im Jahre 1956 begann die Produktion des GAZ-M21 Wolga; seit 1959 wurden die Luxusmodelle GAZ-13 Tschaika bzw. ab 1977 GAZ-14 Tschaika hergestellt.

1959 wurde der leichte Lkw GAZ-56 vorgestellt, der neben dem UAZ-450 das Angebot verfügbarer Kleintransporter nach oben hin abrunden sollte. Die Nutzlast betrug 1,5 Tonnen. Ein Lkw mit 2,5 Tonnen Nutzlast und 85 PS war der GAZ-52, der 1959 präsentiert wurde und den GAZ-51 ablösen sollte. Daraus wurde auch ein 4-Tonnen-Lkw GAZ-52A mit 110 PS abgeleitet. Die Serienfertigung begann jedoch erst 1966. Die Entwicklungen mündeten zunächst im ab 1961 produzierten Typ GAZ-53, der noch bis 1993 hergestellt wurde und entsprechend große Verbreitung fand.

Einen großen Erfolg landete das Unternehmen nach dem Zerfall der Sowjetunion mit dem selbst entwickelten Transporter GAZelle. Mitte der 1990er-Jahre tauchten die ersten Exemplare auf den Straßen Russlands auf und 2007 hatte der Ur-GAZelle und alle auf dieser Plattform basierenden neueren Modelle einen geschätzten Marktanteil von 30–50 %. Der GAZel ist mit einem modifizierten 4-Zylinder-Ottomotor der zuletzt produzierten Wolga-Modelle ausgestattet (produziert von ZMZ), was dem Fahrzeug einen unökonomisch hohen Benzinverbrauch von 15–20 l/100 km beschert. Daneben wird ein Turbo-Dieselmotor (Magna Steyr) mit 2,1 l Hubraum angeboten, der von ZMZ (Sawolschski Motorny Sawod) in Lizenz gebaut wird. Vereinzelt sind auf dem russischen Markt auch nachträglich auf westliche Turbo-Dieselmotoren umgerüstete GAZel unterwegs.

Neben Kraftfahrzeugen produzierte GAZ außerdem Einzelmotoren, Ersatzteile, Fahrräder, Metallwerkbänke, Metallpressteile und anderes mehr.

GAZ wollte in Zusammenarbeit mit der russischen Sberbank und dem kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna International beim deutschen Automobilhersteller Opel einsteigen, wie am 29. Mai 2009 bekanntgegeben wurde. GAZ und die Sberbank wollten dabei 35 %, Magna knapp 20 % der Anteile vom bisherigen Besitzer General Motors übernehmen. GAZ beabsichtigte, durch den Einstieg jährlich bis zu einer Million Opel-Fahrzeuge für den russischen Markt zu bauen, nachdem die eigene Produktpalette inzwischen veraltet und beim russischen Kunden nicht mehr gefragt ist. Opel hingegen ist nach einem ZDF-Bericht vom Mai 2009 in Russland aufgrund seiner fortschrittlichen Technologie sehr gefragt und eine „Modemarke“. Am 3. November 2009 wurde der Verkauf von Opel an Magna abgesagt.

Seit 2011 fertigte GAZ keine eigenen PKW mehr, es wurden nur noch die restlichen GAZ Siber vertrieben. Durch die Übernahme des LKW-Herstellers URAL im Jahr 2005 durch den Mutterkonzern GAZ-Gruppe hat sich die Marke GAZ auf Kleintransporter und leichte LKW fokussiert. Gleichwohl haben GAZ und Volkswagen am 14. Juni 2011 vereinbart, dass GAZ im Unterauftrag Volkswagen- und Škoda-Modelle mit einem Jahresvolumen von 110.000 Fahrzeugen fertigt. Inzwischen hat das GAZ-Werk in Nischni Nowgorod die Kapazität auf 132.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht; gefertigt werden dort die Typen VW Taos und Skoda Kodiaq, Karoq und Octavia. Angesichts des Russland-Ukraine-Kriegs hat der VW-Vorstand am 3. März 2022 entschieden, die Produktion in Kaluga und Nischni Nowgorod einzustellen.

Am 22. Juni 2012 gaben GAZ und Mercedes-Benz die Produktion von Kleintransportern im Werk Nischni Nowgorod bekannt. Gebaut werden sollten hier ab Mitte 2013 jährlich bis zu 25.000 Einheiten des Mercedes-Benz Sprinter T1N der ersten Generation, die Mercedes-Benz über sein eigenes Vertriebsnetz in Russland vermarkten wollte. Im Juni 2016 meldete Daimler-Benz die Fertigstellung des 10.000sten Sprinters, der zu 40 Prozent im Zielland gefertigt worden war. 2018 wurde das Joint Venture eingestellt. Bis dahin waren insgesamt 30.000 Vans produziert worden.

GAZ hat im April 2006 in den USA Pressen und sonstige Anlagen eines kompletten Autowerkes erworben. Die Maschinen stammen aus dem DaimlerChrysler-Werk in Sterling Heights, Michigan, und dienten zur Produktion des Chrysler Sebring und Dodge Stratus. Gleichzeitig erwarb GAZ das Recht, auf der Plattform für Mittelklassewagen der Chrysler Group in allen GUS-Staaten Fahrzeuge unter eigener Marke und mit verändertem Design zu fertigen und zu vertreiben. Entsprechende Motoren sollen von Chrysler aus dem Werk im mexikanischen Saltillo geliefert werden. Der GAZ Siber wurde von März 2008 bis Oktober 2010 für den russischen Automobilmarkt produziert. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus.

GAZ hatte am 31. Juli 2006 den britischen Kleintransporter-Hersteller Leyland DAF Vans (LDV Limited) übernommen. Es sollten neue Kleintransporter und Kleinbusse unter dem Label Maxus bei GAZ produziert werden. Jedoch wurden von 2008 bis 2009 nur Modelle aus Großbritannien importiert bzw. als CKD-Bausatz montiert. Nach der Insolvenz von LDV Limited übernahm SAIC die Rechte und produziert das Modell unter einem eigenen Markennamen in China.

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