Schwerer Schlag für das Opel-Stammwerk Rüsselsheim: Der zum Sparen gezwungene Autobauer verlagert die Produktion seines Erfolgsmodells Astra komplett ins günstigere Ausland. Ab 2015 wird der Astra nur noch im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice (Gleiwitz) vom Band rollen, wie Opel am Donnerstag mitteilte.

Brodit Brodit ProClip - Opel Astra ab 2010 (rechts vom Lenkrad)  

Ziel bleibe aber, auch Rüsselsheim als modernstes Werk von Opel/Vauxhall in Europa voll auszulasten. Wie das konkret erreicht werden kann, soll in Gesprächen zwischen Management und Betriebsrat geklärt werden. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke versicherte: "Ein wettbewerbsfähiges Werk Rüsselsheim spielt eine wichtige Rolle in unserer Wachstumsstrategie."

Ob die Entscheidung zugunsten der ausländischen Werke Auswirkungen auf andere deutsche Standorte – vor allem Bochum – haben wird, ließ das Unternehmen weiterhin offen. Klarheit erhoffen sich die Mitarbeiter von einer Belegschaftsversammlung im Bochumer Werk am Montag (21. Mai). Dazu wird neben Stracke auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erwartet.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug betonte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt: "Dass der Zafira aus Bochum verlagert wird, diese Spekulation entbehrt jeder Grundlage. IG Metall und Betriebsrat würden eine Verlagerung auf Kosten der Menschen dort auch nicht akzeptieren." Auch für das Werk in Bochum gelte eine Standortgarantie bis Ende 2014. Schäfer-Klug mahnte: "Wichtig ist, dass das Management jetzt schnell einen Plan vorlegt, wie die anderen Werke ausgelastet werden sollen."

Nach Ansicht des Bochumer Betriebsrats steigt mit der Entscheidung die Gefahr für das Bochumer Werk. Der Druck werde höher, sagte der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel der dpa. Aus Sicht der Bochumer sei es problematisch, dass Opel dem Stammwerk Rüsselsheim die volle Auslastung zugesagt habe. Dies könne bedeuten, dass Bochum die Produktion des Familienautos Zafira an Rüsselsheim verliere. "Das würde die Schließung des Bochumer Werks bedeuten", sagte Einenkel, der sich dennoch zuversichtlich zeigte. "Das werden wir zu verhindern wissen." Darüber sei er sich mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug einig.

"Fragwürdige" Entscheidung

Einenkel bezeichnete die Entscheidung für die neuen Standorte der Astra-Produktion als "fragwürdig". So stelle er sich auch die Frage, ob es die Kunden akzeptierten, dass der Astra künftig nicht mehr in Deutschland gebaut werden soll.

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