Audi 100 C1 (1968-1976) / 100 Coupe (1970-1976)

Der Audi 100 C1 ist ein Pkw der Auto Union GmbH (ab 1969: Audi NSU Auto Union AG). Die zwei- oder viertürige Limousine mit längs eingebautem Vierzylinder-Reihenmotor und Frontantrieb kam 1968 auf den Markt. Ab Herbst 1970 war auch das Audi 100 Coupé S erhältlich. Nach ca. 880.000 produzierten Wagen kam 1976 der Nachfolger Audi 100 C2. Der Audi 100 gilt als Vorgänger der Modellreihe Audi A6.

Audi 100: Alle Modelle von 1968 bis 1994

Die Entstehungsgeschichte dieses Autos gilt als legendär. Im Wesentlichen dachten die Verantwortlichen bei VW in Wolfsburg, mit der 1965 zugekauften konkursbedrohten Auto Union ein weiteres Montagewerk für den sich immer noch bestens verkaufenden VW Käfer erworben zu haben. Die freien Kapazitäten wurden mit der Montage des VW Käfer ausgefüllt, der nun in Ingolstadt vom Band lief. So hatte VW-Chef Heinrich Nordhoff verfügt, dass bei Audi keine neuen Modelle mehr entwickelt werden sollten. Der sich schlecht verkaufende DKW F102 wurde überarbeitet und mit einem Viertaktmotor ausgerüstet. Er wurde unter der Bezeichnung Audi F103 als erstes Audi-Fahrzeug gefertigt.

Der von Daimler-Benz kommende Techniker Ludwig Kraus glaubte indes nicht an die Zukunft des VW Käfer und entwickelte ohne Wissen der Konzernmutter und größtenteils nach Feierabend ein neues Modell, den Audi 100. Erst das fertige Auto wurde Nordhoff schließlich präsentiert. Erstmalig bei der Entwicklung von Serienfahrzeugen wurde eine computerberechnete Karosserie (Finite Elemente) entwickelt. Geplant war, eine einmalige Auflage von 100.000 Fahrzeugen zu produzieren, doch die Nachfrage war so gewaltig, dass bis 1976 vom ersten Modell 827.474 Fahrzeuge hergestellt wurden.

Die heimliche Entwicklung dieses Modells, ein in der deutschen Automobilgeschichte ungewöhnlicher Vorgang, war letztlich der Grund, dass Audi als eigenständige Marke überhaupt erhalten blieb. Audis technisches Know-how (insbesondere nach der Fusion mit NSU im Jahre 1969) rettete Anfang der 1970er-Jahre die mit Absatzproblemen kämpfende Volkswagenwerk AG. Diese hatte sich mit der Heckmotor-Monokultur des Käfers und dessen Derivaten bis zum VW 411 technisch ins Abseits manövriert und war nur durch Rückgriff auf Audi- und NSU-Entwicklungen (K 70) in der Lage, ihr Angebot in kurzer Zeit auf moderne Modelle mit wassergekühlten Frontmotoren und Frontantrieb umzustellen.

Der erste Audi 100 wurde 1968 zunächst als Viertürer, ab Oktober 1969 auch als Zweitürer angeboten Die Produktion des im September 1969 vorgestellten Coupés begann erst Mitte 1970.

 

 

Alle Wagen waren mit Vierzylindermotoren von 1,6 l bis 1,9 l Hubraum versehen. Die Produktion wurde 1971 ins ehemalige NSU-Werk in Neckarsulm verlegt. Noch vor dem 1980 in der Serie eingeführten Allradantrieb „quattro“ experimentierte Audi NSU in Audi-100-Prototypen mit einer Vierradlenkung. Diese Entwicklung wurde jedoch verworfen und erst Ende der 1980er-Jahre bei Mazda zur Serienreife entwickelt. Im Gegensatz zum Allradantrieb konnte sich die Allradlenkung nur im Nutzfahrzeugsektor etablieren.

Mitte 1973 (Modelljahr 1974) ersetzten Schraubenfedern die Drehstabfederung der Hinterachse und die Front war kantiger gestaltet. Alle Modelle erhielten serienmäßig eine Wisch-Intervallschaltung und Sicherheitsgurte (bei GL und Coupé S Automatikgurte mit Kopfstützen). Im Motorraum wurde ein Zentralstecker für das Mitte 1971 eingeführte VAG-Diagnosesystem eingebaut (die Computerdiagnose entfiel Mitte 1977 bei allen VW/Audi-Modellen wieder).

Mitte 1974 erhielten die Fahrzeuge modifizierte Stoßstangen mit schwarzen Kunststoffkappen an den Seiten. Gleichzeitig wurden die Scheibenbremsen vom Getriebe weg nach außen zu den Rädern verlegt und wegen des vom Audi 80 übernommenen negativen Lenkrollradius mussten die Felgen eine bauchigere Form erhalten - bedingt durch den Platzbedarf der nun notwendigen Schwimmsattel-Scheibenbremsen.

Listenpreise incl. Mehrwertsteuer ab Werk für zweitürige Fahrzeuge:

  • Audi 100 (85 PS) 11.050 DM (nach heutiger Kaufkraft: 15.800 Euro)
  • Audi 100 LS (100 PS) 11.735 DM (16.700 Euro)
  • Audi 100 GL (112 PS) 12.700 DM (18.100 Euro)
  • Audi 100 Coupé S (112 PS) 15.090 DM (21.500 Euro)

Aufpreis bei viertüriger Limousine: 375 DM (500 Euro)


Durch die Verwendung von minderwertigem Recycling-Blech waren die Produkte des Volkswagen-Konzerns Mitte der 1970er-Jahre sehr rostanfällig. Dies war bedingt durch einen relativ hohen Kupferanteil im Metall, der zu interkristalliner Korrosion führte.

Am 1. Juli 1991 waren beim Kraftfahrt-Bundesamt noch 8216 Limousinen der ersten Baureihe des Audi 100 gemeldet.

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