Mercedes glückte 1951 mit dem 220 S der Einstieg in die automobile Oberklasse. Die offizielle Bezeichnung "S-Klasse" führten die Schwaben mit der fünften Generation ihrer Luxus-Limousine ein, die im September 1972 auf den Markt kam. Stilistisch und technisch gelang dem Hersteller die modernste und beste Limousine der Welt, die mit 473.000 Einheiten in acht Produktionsjahren auch ein enormer kommerzieller Erfolg wurde.

Mercedes-Benz S-Klasse: Baureihe W 116 (Schrader-Typen-Chronik)

Zu den herausragenden Merkmalen der knapp fünf Meter langen Limousine gehörte der speziell unter den Aspekten der passiven Sicherheit gestaltete Innenraum. So zum Beispiel der Sicherheitstank vor der Hinterachse oder die Einführung des Antiblockiersystems ABS 1978 als erstes Serienfahrzeug der Welt. Schließlich war die werksintern als "W 116" bezeichnete Baureihe die erste, die ab 1977 einen Diesel-Motor bot. Das Topmodell 450 SEL 6,9 war schließlich ab 1975 die schnellste Serien-Limousine der Welt.

Das moderne Design mit flachem Bug und Heck setzte vor vier Jahrzehnten ebenso Maßstäbe, wie die großen geriffelten Rückleuchten. Das Basismodell 280 S war mit einem Reihensechszylinder ausgestattet, der über 2,8 Liter Hubraum verfügte. Mit einem Doppel-Register-Fallstromvergaser für die Gemischaufbereitung leistete der Motor 118 kW / 160 PS. Mercedes berechnete 1972 für den Einstieg in die Welt der S-Klasse 23.800 Mark. Mit einer Benzineinspritzung leistete der Doppel-Nockenwellen-Motor 136 kW / 185 PS. Dafür waren zur Markteinführung 25 500 Mark fällig. Eine Automatik kostete zwischen 1.550 und 1.950 Mark Aufpreis.

 

 

Das Vorgängermodell hatten die Schwaben erstmals 1969 mit einem V8-Triebwerk ausgestattet. Der 3,5-Liter-Motor mit 147 kW / 200 PS fand auch zum Verkaufsstart des "W 116" seinen Platz unter der Fronthaube. Für 28.900 Mark. Bereits im März 1973 legte Mercedes nach und stellte den 450 SE vor. Der V8 mit 4,5 Liter Hubraum leistete 165 kW / 225 PS. Damit katapultierte sich die S-Klasse endgültig an die Spitze der Luxus-Limousinen. Neben der normalen Ausführung mit 4.690 Millimeter Länge führte Mercedes ab März 1973 eine um 70 Millimeter verlängerte Version ein, die in der Typenbezeichnung ein zusätzliches "L" kennzeichnete und die mindestens 3.000 Mark Aufpreis kostete. Mit den Langversionen bedienten die Schwaben vor allem die Nachfrage nach Chauffeur- und Firmenfahrzeugen.

Achtzylinder mit fast sieben Liter Hubraum

Im Mai 1975 stellte Mercedes den 450 SEL 6,9 vor. Mit 210 kW / 286 PS sorgte der Achtzylinder mit fast sieben Liter Hubraum für damals atemberaubende Fahrleistungen. Den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 absolvierte der Zweitonner in acht Sekunden und erreichte 225 km/h Höchstgeschwindigkeit. Dass bei engagiertem Abruf der Leistung alle 100 Kilometer bis zu 30 Liter verbleites Super aus dem 96 Liter fassenden Tank flossen, kümmerte die Kundschaft wenig. Schließlich hatten sie bereits beim Kauf 70.000 Mark bezahlt. 1980, bei Einstellung der Baureihe, kostete das Top-Modell 81.300 Mark.

Für 1978 kündigten die Schwaben eine weitere Weltpremiere für den "W 116" an. Erstmals konnte die Limousine mit einem elektronischen Antiblockiersystem ABS bestellt werden. Im gleichen Jahr stattete Mercedes die S-Klasse erstmals auch mit einem Dieselmotor aus. Die Verantwortlichen trugen damit dem Selbstzünder-Boom in den Vereinigten Staaten Rechnung. Somit kam der Dreiliter-Fünfzylinder mit Turboaufladung und 85 kW / 115 PS nur in den USA zum Einsatz; immerhin in einer Auflage von 28.634 Exemplaren.

Im September 1980 lief der letzte der bis dahin für Mercedes erfolgreichsten Luxus-Limousine vom Band. 473.000 Autos unterstrichen den enormen kommerziellen Erfolg der Baureihe. Traditionell stellte Mercedes seinen Limousinen der S-Klasse stets eine Coupé-Version auf der gleichen Plattform zur Seite. Die Ausnahme zu dieser Regel bildete der "W 116". Der gleichzeitig angebotene SLC basierte auf dem Roadster SL. (mid/tl)

40 Jahre Mercedes W 116
40 Jahre Mercedes W 116
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